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Deutschland » Sprache » Polizei » Verwechslungsgefahr bei der Polizei: Wenn ‚IDF‘ plötzlich Angst macht
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Verwechslungsgefahr bei der Polizei: Wenn ‚IDF‘ plötzlich Angst macht

1. April 2026 von Claire Grube

Die Landespolizei Berlin wird die Nutzung ihres Polizeijargons überprüfen.

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Verwechslungsgefahr! Im Internet kursieren bereits unlustige Parodien zum Thema Polizeijargon. (Quelle:Reddit) 

Berlin

Der Polizeijargon kann zu Missverständnissen und Verwirrung führen, wenn er mit der Außenwelt kollidiert. Daher überprüft die Landespolizei Berlin Begriffe und insbesondere Kürzel im internen Sprachgebrauch. 

"Wir nehmen Sie mit zur IDF!" Diese Worte versetzten den Demonstranten Conrad Kurz in Angst und Schrecken, als er während einer Pro-Palästina-Demonstration von mehreren Polizisten abgeführt wurde. Während er an die israelischen Verteidigungsstreitkräfte dachte (Israel Defense Forces), meinten die Beamten lediglich die Identitätsfeststellung. Dabei erlitt Kurz eine Panikattacke und musste von Sanitätern behandelt werden. "Ich hatte Todesangst! Ich dachte, meine letzte Stunde hat geschlagen", sagte er mit zitternden Händen. Solche Fälle wie der von Conrad Kurz sind kein Einzelfall. 

"Diese Maßnahme ist laut Strafprozessordnung leider notwendig", erklärt die Sprecherin des Landesverbandes der Gewerkschaft der Polizei Clara Durchblick. "Wir müssen sehr sorgsam mit unserer Sprache umgehen. So etwas führt leider zu Missverständnissen, die sogar in einer Panikattacke enden können." Die Panikattacke war ein Extremfall, obgleich sie am Ende glimpflich ausgegangen sei. "Diese Fälle führen oft zur Verwirrung oder Ablehnung", erzählt sie. Solche Ungeschicke passieren immer wieder. 

"Einmal hatten wir einen Interessenten aus dem Ingenieurswesen, der als Quereinsteiger einsteigen wollte. Als wir ihm die FEM gezeigt hatten, die wir tagtäglich einsetzen, wirkte er sichtlich enttäuscht. Offenbar hatte er gehofft, dass wir mit spezieller Software 'auf Biegen und Brechen' simulieren können. Aber dieses Arbeitsfeld ist in der Polizei nicht vertreten." Durchblick senkte dabei den Blick. "Einmal hatte ein Schülerpraktikant nach einem Tatverdächtigen Ausschau halten sollen, der im Polizeijargon mit TV abgekürzt wird, setzte sich aber stattdessen vor einen Fernseher.". 

Der interne Sprachgebrauch führt zu neuen Herausforderungen, da interne Begriffe mit der Außenwelt kollidieren können. "Der schwerwiegendste Fall war, als ein mutmaßliches Mitglied der organisierten Kriminalität versehentlich Zugang zu Sicherheitsbereichen erhalten habe. Er erhielt das 'OK' an falscher Stelle." Diese Panne wiegt schwer und zeigt, dass mit den Begriffen nicht leichtfertig umgegangen werden darf. 

"Tatsächlich ein Dorn im Auge sind mir die 'Verwechslungsgefahr!'-Memes aus dem Internet. Sie sind unlustig, und der Kontext ist schwierig bis nahezu unmöglich nachzuvollziehen." Die Brille rutschte Clara Durchblick fast von der Nase. "Das muss aufhören!" Daher strebt Durchblick intern eine Initiative zur Umstellung der internen Sprache an. "Zuerst müssen wir überprüfen, welche Fachbegriffe und Kürzel betroffen sind. Das werden wir im September dieses Jahres vorstellen; das haben wir mit dem Personalrat abgestimmt. Es ist ein langer Weg, aber hoffentlich werden dieser Hohn und Spott aufhören!". 

Durchblick ist jedoch zuversichtlich. "Wir haben es geschafft zu vermeiden, das Wort 'Konferenzzimmer' zu verwenden und abzukürzen - das hätte zu 'KZ' geführt. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es möglich ist." 

Sie schloss ihre Mappe. „Missverständnisse lassen sich nie ganz vermeiden. Aber wir können dafür sorgen, dass sie kontrolliert auftreten.“

Ein kurzer Moment der Stille entstand.

„Und im Zweifel“, sagte sie schließlich, „war es dann eben ein Kommunikationsproblem.“